Italienische Oper an deutschsprachigen Höfen
des 17. und 18. Jahrhunderts
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Förderungsprofessur
Mit der Finanzierung einer Förderungsprofessur und zwei DoktorandInnenstellen ermöglicht der Schweizerische Nationalfonds die Vertiefung des Forschungs- und Unterrichtsschwerpunkts Oper an der Schola Cantorum Basiliensis seit Mai 2007. Die erfolgreiche Projekttätigkeit ermöglichte eine Verlängerung der Laufzeit auf 6 Jahre, so dass die Fortführung der Opernarbeit bis Ende April 2013 gewährleistet ist. Das Forschungsprojekt, das wissenschaftlichen und praktischen Annäherungen an Aufführungen italienischer Oper des 17. und 18. Jahrhunderts gewidmet ist, schlägt nicht nur Brücken zwischen den beteiligten Disziplinen Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Auch die Übersetzung des wissenschaftlich Erarbeiteten in die heutige Musikpraxis ist Gegenstand der Diskussion und Vermittlung im Unterricht.
SNF-Förderungsprofessorin Dr. Christine Fischer
Musik-Akademie Basel
Schola Cantorum Basiliensis
Postfach 232
CH-4003 Basel
Telefon: +41-(0)61-264 57 27
Fax: +41-(0)61-264 57 49
christine.fischer[at]mab-bs.ch
Büro: Zimmer 15
Mag. Helena Langewitz
Telefon: +41-(0)61-264 57 81
helena.langewitz[at]mab-bs.ch
Holger Schumacher M.A.
Telefon: +41-(0)61-264 57 93
holger.schumacher[at]mab-bs.ch
Musik-Akademie Basel
Schola Cantorum Basiliensis
Postfach 232
CH-4003 Basel
Fax: +41-(0)61-264 57 49
Büro: Zimmer 14
Zum Forschungsprojekt
Methode Forschung zu historischer Aufführungspraxis beschäftigt sich in erster Linie mit Instrumentalmusik und mit der Frage nach einer stilgerechten Umsetzung des Notentextes. Andere Bestandteile einer Aufführung wurden bisher zumeist zweitrangig berücksichtigt. Das mit der Förderungsprofessur des Schweizerischen Nationalfonds verknüpfte Forschungsprojekt zu italienischer Oper an deutschsprachigen Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts will den wissenschaftlichen Umgang mit Aufführungspraxis von Oper neu fokussieren. Dies schliesst zwar Fragen zur Wiedergabe des Notentextes ein, es darf an diesem Punkt jedoch nicht Halt gemacht werden. Die visuellen darstellerischen Mitteln, vom Bühnenbild über die Gestik bis hin zum benutzten Theaterraum, situierten sich in jeder Aufführung in besonderer Weise zu Klang und dargestellter Situation der Oper - und diesem Verhältnis kam enorme Bedeutung für Wahrnehmung und Rezeption des Musiktheaters zu. Um dieses Zusammenwirken der Opernkünste im historischen Kontext zu verorten, sollen Schnittstellen zwischen historischen Methoden rund um die Aufführungspraxis und überzeitlichen Methoden zur Aufführungsanalyse genauso nutzbar gemacht werden wie Gemeinsamkeiten zwischen stilhistorisch ausgerichteten Perspektiven und systematischen wissenschaftlichen Ansätzen zum sozialen Kontext. Die Projektmitarbeit von in Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft ausgebildeten WissenschftlerInnen will dieses gemeinsame Denken jenseits von Disziplinengrenzen institutionalisieren.
Methode und Gegenstand Die erarbeitete Methodik zur Annäherung an historische Aufführungen soll auf eine weite Bandbreite von Quellenmaterial angewendet werden, das zum Teil neu zu erschliessen ist oder in der Projektarbeit bereits neu erschlossen wurde. Diese Quellenrecherche stellt den zweiten Forschungsschwerpunkt des Projekts dar. In einer so angestrebten möglichst umfassenden Sicht auf einzelne historische Aufführungen von italienischer Oper kann aufbauend der Frage nachgegangen werden, wie sich Wahrnehmungs- und Rezeptionsmuster änderten und die Wechselwirkungen zwischen politisch-sozialem Umfeld und Opernaufführungen beeinflussten.
Wissenschaft und Praxis Nicht nur das Denken jenseits disziplinärer Grenzen, sondern auch das Überschreiten des wissenschaftlichen Wirkungskreises ist wesentliches Ziel der Förderungsprofessur. Die Betreuung der Jahresprojekte der Opernklasse der Schola Cantorum Basiliensis bietet einen idealen Rahmen für praktische und theoretische Reflexion über den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Assoziierte Stellen
Prof. Dr. Andreas Beyer, Seminar für Kunstgeschichte, Universität Basel und Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris
Promotionsbetreuung der Mitarbeiterstelle Kunstgeschichte
Prof. Dr. Andreas Kotte, Institut für Theaterwissenschaft, Universität Bern
Promotionsbetreuung der Mitarbeiterinnenstelle Theaterwissenschaft
Projekte und Veranstaltungen
Penelope la casta
Angeregt und betreut von MitarbeiterInnen der SNF-Förderungsprofessur kam im Mai/Juni 2009 Alessandro Scarlattis erst 1999 in einer vollständigen Fassung wieder entdeckte Oper "Penelope la casta" (Neapel, 1696) zu einer von der Fachpresse gefeierten Inszenierung (dreifache Nennung im Jahrbuch der Opernwelt 2009 in den Sparten Wiederentdeckung und Nachwuchskünstler). Das SNF-Forschungsprojekt zu Barockoper lieferte mit umfangreichen Recherchen zum historischen und aufführungspraktischen Umfeld der neapolitanischen Uraufführung den wissenschaftlichen Hintergrund einer Hochschulproduktion, die Barockoper informiert vermittelte, ohne zu "rekonstruieren".
Opernklasse und Klasse Maestro al cembalo der Schola Cantorum Basiliensis
Regie: Manfred Weiss; musikalische Einstudierung: Andrea Marcon; Bühne: Marion Menzinger; Kostüme: Judith Fischer; Licht: Cornelius Hunziker; Dramaturgie: Christine Fischer; Regieassistenz: Helena Langewitz.
Pressestimmen:
- Basler Zeitung
- Frankfurter Allgemeine Zeitung
- Mittelland Zeitung
- Opernwelt
Oper als "Gesamtkunstwerk" - zum Verhältnis der Künste im barocken Musiktheater
Vom 19.-21. November 2009 fand die von der SNF-Fördserungsprofessur konzipierte und in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe der Schola Cantorum Basiliensis organisierte internationale Tagung zum Thema Oper als "Gesamtkunstwerk" - zum Verhältnis der Künste im barocken Musiktheater statt. Sie führte WissenschaftlerInnen unterschiedlicher disziplinärer Prägung (Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik, Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Kulturwissenschaft) zu einem der zentralen Themen des Forschungsprojekts der SNF-Förderungsprofessur zusammen. Zudem gab das Symposium den Rahmen für die Wiederaufnahme der Aufführungen von Penelope la casta. Der Tagungsband ist als Basler Jahrbuch zur historischen Musikpraxis 2009 in Vorbereitung.
Zwischentöne - Geschlechterrollen und ihre Stimmen
Wohl kaum ein Wesenszug des barocken Musiktheaters wirkt aus heutiger Sicht so unkonventionell wie die Darstellung von Geschlecht: Man trifft auf Verkleidungen über die Gender-Grenzen hinweg, auf Männer mit Frauenstimmen (manchmal auch umgekehrt), auf kriegerische Frauen und nach heutigem Verständnis wenig heldenhafte, liebebedürftige Männer. Die das Repertoire dominierenden hohen Stimmen für Frauen- und Männerrollen wurden damals von Kastraten wie auch von Frauen gesungen, heute werden sie von Sopranistinnen und Altistinnen, aber auch von Countertenören interpretiert.
Das Projekt des Studienjahres 2009/2010 der Opernklasse der Schola Cantorum Basiliensis hatte sich vor diesem Hintergrund der Frage verschrieben, wie sich Geschlecht in der Oper des 17. und 18. Jahrhunderts konstituierte. Welchen Anteil hatten die Bühnenkünste der Dichtung, der Musik und des Bildnerischen bei der Festschreibung von Geschlechterrollen? Neben der wissenschaftlichen Annäherung an Geschlechterrollen von damals standen dabei Übersetzungsmöglichkeiten der Wirkung von einst für ein heutiges Publikum im Mittelpunkt. Zur Aufführung kamen am 6. Mai 2010 Ausschnitte aus Claudio Monteverdis L'Orfeo (Mantua, 1607), Maria Antonia Walpurgis' Talestri, regina delle amazzoni (Dresden, 1763), Jean-Baptiste Lullys Persée (Paris, 1682), Agostino Steffanis Servio Tullio (München, 1686) und Antonio Caldaras Achille in Sciro (Wien, 1736).


