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Compendium Improvisation

Ein Forschungs- und Publikationsprojekt der Schola Cantorum Basiliensis

Das COMPENDIUM IMPROVISATION wurde mit dem Ziel in Angriff genommen, eine Sammlung von Arbeitsblättern, musiktheoretischen Texten und analytischen Studien zur Verfügung zu haben, die zur Improvisation auf Tasteninstrumenten im barocken Stil anleiten. Durch eine Beschreibung historischer methodischer Ansätze sollen wichtige Quellentexte der Ex-tempore-Praxis des 16. bis 18. Jahrhunderts für den allgemeinen Gebrauch nutzbar gemacht werden. Das COMPENDIUM will jedoch keinesfalls eine konsequent aufgebaute Improvisationsschule sein, sondern vielmehr eine Sammlung von Materialien, Quellentexten und Artikeln, die ihre methodischen Ideen an historischen Vorbildern verifiziert und belegt.

Die einzelnen Artikel werden u. a. von den Mitgliedern der Forschungsgruppe Basel für Improvisation verfasst, von Markus Schwenkreis inhaltlich und sprachlich redigiert und anschliessend von der Gruppe probegelesen. Verbesserungsvorschläge und Anregungen aus der Arbeit mit den Studierenden sollen die Verständlichkeit der einzelnen Kapitel erhöhen und zu einer endgültigen, für die Publikation geeigneten Form führen. Voraussichtlich 2008 wird eine erste Fassung vorliegen, die in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung der SCB redigiert werden soll. Eine umfangreiche Bibliographie wird den Textteil entlasten und den Leser zum persönlichen Quellenstudium ermuntern.

... aus dem Inhalt

Die Arbeit an stiltypischen „Vokabeln“ ist eine der wichtigsten Aufgaben, wenn es darum geht, Improvisation zu üben. Deshalb hat der entsprechende Komplex von Übungen im COMPENDIUM IMPROVISATION den Namen „Deklination“ erhalten. In ihm drückt sich die Nähe zu sprachbezogenen Lernvorgängen aus.

Die Vorgehensweise kann am besten an der freien Choralharmonisierung erläutert werden. Gegeben sind die Melodie und der Bass mit der entsprechenden Generalbassbezifferung. Dieser kurze harmonische Satz wird auf alle möglichen stimmführungstechnischen Varianten hin durchleuchtet, indem der Student/die Studentin alle nur denkbaren Konstellationen (Lagen, Stimmdispositionen, Transpositionen) durchexerziert. Hat man die entsprechenden grifftechnischen Abläufe so weit verinnerlicht, dass sie fast automatisch ablaufen, sind sie auch während einer Improvisation quasi aus dem Unterbewusstsein abrufbar.

Die im Kapitel "Generalbassmodelle“ beschriebenen harmonischen Progressionen (z.B. Quintfallsequenzen, Kadenzen, typische Bassgänge) müssen ebenfalls durchdekliniert werden, bis sie dem Spieler als selbstverständliche Gerüstsätze zur Verfügung stehen. Sie können im Einzelfall an den musikalischen Kontext angepasst werden, indem man sie mit geeigneten Figurationen und Motiven verziert, die dem Thema der Improvisation entlehnt sind. Als "Etüde" für dieses Verfahren regt das COMPENDIUM zum Improvisieren über verschiedene Ostinato- und Partimentobässe an, wie es in Friedrich Erhardt Niedts "Musicalischer Handleitung“ beschrieben wird. Im 2. Teil seines Traktats bespricht Niedt u. a. die Umgestaltung eines einfachen Generalbasses in verschiedene Tanzsätze. So führt die Beschäftigung mit dem Partimentospiel folgerichtig hin zur Improvisation von binären Formen und kompletten Suiten.


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